Chronik der Abteilung Wintersport

Einige Mitglieder des TV Neidlingen, die auch in den Wintermonaten sportlich aktiv sein wollten, schlossen sich im Jahr 1951 zu einer selbständigen Abteilung innerhalb des Hauptvereins, unter Leitung von Ernst Ruoß, zusammen.  

Zunächst wurde die Sprungschanze auf Edelwang gebaut, wo im Februar 1952 das Eröffnungsspringen stattfand. Bernhard Lindenlaub vom SC Wiesensteig wurde Inhaber des ersten Schanzenrekords von 29m, den er 1955 auf 34 m steigerte. Das Schanzenspringen war in diesen Jahren sehr populär. Oft wurden auf der Edelwangschanze Bezirksmeisterschaften mit bis zu 1000 Zuschauern durchgeführt. Eine Reihe Neidlinger Adler nahmen recht erfolgreich an Springen z.B. in Neidlingen, Wiesensteig oder Laichingen teil. Das Skispringen in Neidlingen hieß zu dieser Zeit „Kirschwasserspringen“, später wurde daraus der „Sprung- und Abfahrtslauf um den Reußensteinpokal“; vormittags wurde der Abfahrtslauf vom Burzkopf durchgeführt, nachmittags das Schanzenspringen.  

Der Abfahrtslauf wurde bei den alpinen Skiläufern immer beliebter. Im Februar 1956 nahmen bereits 200 Rennläufer teil. Die Bestzeit lag damals bei 2:21 min, aufgestellt von Franz Pradler vom VfL Kirchheim. Hans Pflüger war der stärkste Abfahrer des TVN. 

Ende der 50er Jahre erwachte in Neidlingen der Skilanglauf. Helmut Burkhardt war der herausragende Läufer vom TVN. Er war wohl in den 60er Jahren der beste Skilangläufer im Bezirk Mittlere Alb.   

Anfang der 60er Jahre wurde die Sprungschanze umgebaut. Im Winter 1963 erzielte Herbert Brack aus Donzdorf mit der bislang nicht wieder erreichten Weite von 39 m einen hervorragenden Schanzenrekord.  

Beim Abfahrtslauf um den Reußensteinpokal 1971 konnte Karl Wilhelm Beck aus Neuffen den Wanderpokal nach drei Siegen hintereinander in Empfang nehmen.  

Starke Platzierungen gab es für die Langläufer in den Jahren 1972 bis 1975. Helmut Burkhardt wurde beim 85,6 km langen Wasa-Lauf in Schweden unter 9000 Teilnehmern bester Bundesdeutscher, noch vor Olympiasieger Georg Thoma.  

Im Jahr 1977 stellte der TVN den Sieger im Abfahrtslauf um den Reußensteinpokal. Albrecht Hepperle fuhr die Tagesbestzeit.  

Der Abfahrtslauf wurde zu der Hauptveranstaltung der Abteilung. Die Strecke wurde verbreitert und sicherer gemacht. Es wurde zum schnellsten und schwierigsten Rennen der Schwäbischen Alb. In der Presse wurde der Lauf als die „Streif von der Alb“ genannt.  

1982 wurde auf der Edelwangschanze nach langer Pause erstmals wieder ein Skispringen durchgeführt. Albrecht Hepperle gewann mit 26 m und wurde Bezirksmeister.  

Mitte der 80er Jahre kamen Skiroller stark in Mode. Jährlich wurde in Neidlingen ein Skirollersprint ausgetragen.

Ende der 80er-/Anfang der 90er Jahre gehörte Martina Burkhardt, die Tochter von Helmut, im Biathlon zur schwäbischen Spitzenklasse. Einmal erreichte sie sogar den 4. Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren.  

Anfang der 90er stellte der TVN mit Siegfried Sekan einen deutschen Mannschaftsmeister im Skilanglauf.  

Schon damals war es so, dass alle Skiveranstaltungen in Neidlingen sehr gern besucht wurden. Sei es bei einem Skispringen, bei einem Abfahrtslauf oder bei einem Langlauf, immer sprachen sich die Teilnehmer sehr lobend über die vorgefundenen Bedingungen aus. Bei der sehr wechselhaften Schnee- und Wetterlage war und ist es nicht einfach optimale Verhältnisse zu schaffen. Der Verdienst lag bei den zahlreichen, fleißigen Helfern im Verein geführt von einem unermüdlichen Abteilungsleiter Ernst Ruoß, der in der Organisation solcher Veranstaltungen nicht zu übertreffen war. Im Jahr 1991 übergab er Kurt Ambacher die Position des Abteilungsleiters, der ihm in nichts nach steht. Eine tatkräftige Truppe geführt von einem starken Abteilungsleiter in einer guten Kameradschaft. Dies war und ist das Erfolgsrezept der Skiabteilung.

Mit Daniela Ambacher hat der TVN eine herausragende alpine Rennläuferin, die auf bundesdeutscher Ebene Erfolge einfuhr: 1989 Baden Württembergischer Meister und zweimal Schwäbischer Meister, 1989 Deutscher Meister im Parallelslalom (im Finale hat sie die spätere Weltcupfahrerin Hilde Gerg besiegt), 1991 Dt. Jugendmeister im Slalom, Mitglied im C-Kader der Nationalmannschaft von 1991 bis 1993, 1998 Deutscher Studentenmeister im Slalom. Daneben ist sie die Abonnementsiegerin bei den Damen beim Reußensteinabfahrtslauf. Verletzungen machten ihrer weiteren Karriere leider einen Strich durch die Rechnung. 

Andreas Hitzer stellte 1994 auf der kleinen Schanze den bis heute gültigen Schanzenrekord von 29 m auf. Michael Fauser stellte diesen Rekord zwei Jahre später ein.  

1997 gewann Reiner Dosch vom TVN den letzten Teckabfahrtslauf, Dritter wurde Michael Fauser.  

Im selben Jahr stellte der Kirchheimer Steffen Baumann mit 1:18,41 min. den bis heute gültigen Streckenrekord beim Reußenstein-Abfahrtslauf auf.  

Seit 1997 wird in der Skiabteilung aktiv Inlineskating betrieben. In Neidlingen wurde das erste Rennen durchgeführt mit einem Lauf von Pfanna bis an die Schuppen. Die Skiabteilung des TVN war einer der Pioniere in dieser Sportart und kann in 2006 mit Julia Grüning, Ann-Kathrin Stolz und Kai Mehlstäubl auf europäischer Ebene im Slalom ganz vorne mitmischen. Julia Grüning wurde 2006 deutsche Meisterin. Außerdem ist Lars Hamann international im Speedskating erfolgreich.

Im Winter 2000 konnte der Reußensteinabfahrtslauf zum 26. mal seit Bestehen der Skiabteilung durchgeführt werden. Mittlerweile wurde der Abfahrtslauf aus sicherheitstechnischen Gründen in einen „Riesenslalom um den Reußensteinpokal“ geändert. Die Strecke wurde verkürzt. Start ist nun für alle Teilnehmer der frühere Schülerstart am Staatsweg.

TVN-Doppelsieg: 2009 gewinnen Julia Grüning und René Hitzer den Reußensteinpokal. Christine Gerber (TVN) gewinnt 2010.

2010 wird Ann-Kathrin Stolz vom TVN Weltmeisterin im Inline-Slalom in Unterensingen. Dies wiederholte sie 2012 bei der WM in Cham im Bayerischen Wald mit 2 Goldmedaillen. Julia Grüning holte 2 Silber- und 1 Bronzemedaille.

Im Lauf der Geschichte der Skiabteilung lässt sich eindeutig ein Trend vom nordischen zum alpinen Wintersport erkennen. Das dies sich in Zukunft verstärken wird, zeigt die Begeisterung der zahlreichen Kinder bei Skikursen im Winter. Im nordischen Bereich sind Ideen gefragt, um den Sport wieder attraktiv zu machen.

Die schlagkräftige Truppe vom TVN ist 2012 sehr gefragt als Veranstalter hochkarätiger Rennen auf Bezirks-, SSV- und BaWü-Ebene und half bei der Pistenpräparierung beim Skiercross-Europacup in Grasgehren. So pflegt man seit Jahren einen guten Kontakt zu Ex-Weltcupläufer Berni Huber, Liftbetreiber in Balderschwang und Grasgehren.

In Winter 2014/15 konnte die Abteilung alle geplante Skirennen durchführen. Bereits zum dritten mal wurde zusammen mit dem TV Unterlenningen das LEKI RACE CHALLENGE (Klaus Lenhart-Gedächtnisrennen) in Balderschwang trotz schwierigen Bedingungen zu voller Zufriedenheit aller Beteiligten 220 Läufer veranstaltet.

Das Rennen um den Reußensteinpokal wurde 2015 das Event schlechthin. Eine super Piste, mehr als 160 Teilnehmer und über 2000 Zuschauer. Der SWR und die Tagespresse in der Umgebung berichteten im Vorfeld ständig über den aktuellen Stand in Neidlingen. Das i-Tüpfelchen während des Rennens vollbrachten der humorvolle und fachkundige Kommentator und Ex-Abfahrtsweltmeister Hansjörg Tauscher der zusammen mit dem TVN-Sprecher Reiner Kuch das Rennen moderierte. 

Die Skiabteilung kann bei allen Veranstaltungen auf die Mithilfe vieler Neidlinger Bürger rechnen. Dies wirkt sich sehr positiv aus und steigert die Qualität der Veranstaltung. Den Helfern wird an dieser Stelle herzlich gedankt. Die inzwischen zur Tradition gewordenen Großveranstaltungen möchte die Abteilung in Zukunft beibehalten. In der Hoffnung auf schneereiche Winter in den kommenden Jahren und viel Erfolg für die Aktiven, schließt diese Chronik mit zwei Worten:

SKI HEIL

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